Wer mit verschiedenen Systemen arbeitet, macht schnell dieselbe Erfahrung: Ein Prompt, der bei einer KI gut funktioniert, liefert bei einer anderen ein deutlich anderes Ergebnis. Manchmal ist es nur der Tonfall, manchmal die Länge, manchmal der komplette Fokus des Textes. Das ist kein Zufall und auch kein Bedienfehler, sondern liegt an den unterschiedlichen Arbeitsweisen der Modelle.
„Derselbe Prompt ist überall derselbe Text, aber nie dieselbe Antwort“
Alle Systeme verstehen Sprache, aber sie gewichten Inhalte unterschiedlich. ChatGPT reagiert stark auf Dialoge und Nachschärfen im laufenden Gespräch. Claude kommt besonders gut mit viel Kontext und längeren, strukturierten Texten zurecht. Gemini arbeitet oft kompakter und stärker faktenorientiert. Copilot ist klar auf Büro Alltag ausgerichtet, mit einem Fokus auf Mails, Zusammenfassungen und Listen. Derselbe Text als Eingabe führt deshalb zu unterschiedlichen Ergebnissen, obwohl der Prompt wortgleich ist.
Ein häufiger Denkfehler ist die Annahme, ein Prompt sei ein präziser Befehl, der exakt ausgeführt wird. In der Praxis ist er eher ein Einstieg. Er setzt einen Rahmen, aber er garantiert kein bestimmtes Ergebnis. Manche Systeme brauchen mehr Kontext, andere reagieren besser auf klare Rollen oder Zielbeschreibungen. Oft entstehen gute Ergebnisse erst dann, wenn man nachfragt, korrigiert oder den eigenen Wunsch präziser formuliert.
Warum Prompt Vorlagen oft enttäuschen
Genau aus diesem Grund sind viele Prompt Vorlagen aus dem Internet nur bedingt brauchbar. Sie sind meist für ein bestimmtes System geschrieben und in einem ganz konkreten Nutzungskontext entstanden. Was dort gut funktioniert, passt nicht automatisch zum eigenen Arbeitsalltag. Häufig fehlen der persönliche Ton, der konkrete Zweck oder die Rahmenbedingungen, unter denen der Text entstehen soll. Wer solche Vorlagen einfach kopiert, erwartet eine fertige Lösung und ist dann enttäuscht, wenn das Ergebnis beliebig wirkt.
In der Praxis hilft es mehr, Prompts als Ausgangspunkt zu verstehen. Ein erster Entwurf, den man prüft, anpasst und nachschärft. Kleine Änderungen am Ton, an der Zielsetzung oder am Umfang machen oft mehr aus als ein komplett neuer Text. Gute Prompts sind nicht perfekt formuliert, sondern stabil genug, um bei unterschiedlichen Systemen brauchbare Ergebnisse zu liefern.
Am Ende gilt ein einfacher Satz: Derselbe Prompt ist überall derselbe Text, aber nie dieselbe Antwort. Wer das akzeptiert, arbeitet entspannter und versteht auch, warum starre Vorlagen aus dem Netz selten der Königsweg sind. Entscheidend ist nicht der eine magische Satz, sondern der Weg dorthin.