Man sitzt vor einem technischen Problem und merkt schnell, dass man zwar viele Ideen hat, aber keine klare Richtung. Genau in solchen Situationen wird oft zur KI gegriffen, in der Hoffnung, schneller voranzukommen. Ob das klappt, hängt weniger von der KI ab als davon, wie der Dialog gestartet wird.
Wer mit KI arbeitet, beginnt häufig mit der falschen Erwartung.
Man beschreibt ein Problem und hofft auf eine fertige Lösung. In der Praxis führt das oft zu Umwegen. Deutlich besser funktioniert es, den Dialog bewusst anders aufzubauen – nicht mit einer Lösung, sondern mit einem Denkrahmen.
Start-Prompt: Den Arbeitsmodus festlegen
Hier beginnt der Dialog. Ziel ist es, die KI vom vorschnellen Lösen abzuhalten und auf systematische Eingrenzung umzuschalten.
Ich habe ein technisches Problem in einem Softwareprojekt. Ich möchte noch keine Lösung, sondern das Problem sauber eingrenzen. Bitte hilf mir dabei, Beobachtungen von Vermutungen zu trennen und mir gezielte Fragen zu stellen, um den Suchraum Schritt für Schritt zu verkleinern. Gib keine Lösungsvorschläge, solange die Ursache nicht ausreichend eingegrenzt ist.
Beobachtungen statt Erklärungen
Bevor man Ursachen diskutiert, lohnt sich ein kurzer Stopp. Was passiert wirklich, und was glaubt man nur, was passiert. Diese Trennung spart später viel Zeit.
Folgende Beobachtungen kann ich sicher beschreiben: - [konkretes Verhalten] - Erwartet hätte ich: [konkrete Erwartung] - Tritt nur auf, wenn: [Bedingungen] Bitte fasse die Beobachtung neutral zusammen und nenne mögliche Stellen im Ablauf, ohne Ursachen zu behaupten.
Den Ablauf rückwärts eingrenzen
Wenn klar ist, was sichtbar ist, stellt sich die nächste Frage. Wo kann diese Wirkung überhaupt noch entstehen. Nicht theoretisch, sondern im tatsächlichen Ablauf – Verantwortung im Ablauf klären.
An welcher Stelle im Ablauf wird der finale Zustand zuletzt gesetzt. Welche Komponenten scheiden aus, wenn der Effekt danach noch sichtbar ist. Bitte argumentiere Schritt für Schritt und kennzeichne Annahmen klar als Annahmen.
Hypothesen, die man testen kann
Erst jetzt lohnt es sich, Annahmen zu formulieren. Nicht viele, sondern wenige, die sich schnell überprüfen lassen.
Formuliere 2-3 mögliche Hypothesen, die zu den bisherigen Beobachtungen passen. Zu jeder Hypothese bitte einen kurzen Testvorschlag, mit dem ich sie schnell bestätigen oder widerlegen kann.
Fazit
Viele Probleme werden nicht schneller gelöst, weil man zu früh nach Lösungen sucht. Wer sich zuerst Zeit für saubere Beobachtungen und eine klare Eingrenzung nimmt, nutzt die KI als Denkpartner und nicht als Orakel. Das verändert den gesamten Arbeitsprozess.
Ich habe diese Vorgehensweise inzwischen in mehreren Projekten bewusst eingesetzt. Der Effekt war deutlich spürbar. In einzelnen Fällen lag die Zeiteinsparung bei bis zu einem ganzen Arbeitstag. Nicht, weil weniger gearbeitet wurde, sondern weil Umwege, falsche Annahmen und endlose Korrekturschleifen von Anfang an vermieden wurden.