Warum der erste Prompt fast immer scheitert

KI-Blog PromptDer erste Prompt ist fast nie gut. Das ist keine Schwäche, sondern normal. Trotzdem wird genau an dieser Stelle oft aufgegeben. Ein Satz wird eingegeben, die Antwort passt nicht, und daraus wird schnell der Schluss gezogen, dass die KI unbrauchbar ist oder einen nicht versteht. Meine Erfahrung ist eine andere. Der erste Prompt ist kein Ergebnis, sondern ein Test. Er zeigt weniger, was die KI kann, sondern vielmehr, wie klar ich selbst gerade bin. Oft merke ich erst an der Antwort, was ich eigentlich wollte und was ich vergessen habe zu sagen.

Die KI hält einem dabei einen Spiegel vor, manchmal einen unbequemen.

Ein häufiger Denkfehler ist die Annahme, die KI müsse erraten, worauf man hinauswill. Das tut sie nicht. Sie reagiert ausschließlich auf das, was da ist. Wenn der Kontext fehlt, fehlt er eben. Wenn das Ziel unscharf ist, wird auch die Antwort unscharf. Das ist kein Versagen, sondern eine logische Folge.

Ich behandle den ersten Prompt deshalb bewusst wie einen Gesprächsbeginn. Ich schaue mir die Antwort an und frage mich nicht zuerst, ob sie richtig oder falsch ist, sondern warum sie so ausgefallen ist. Danach wird nachgeschärft. Ein Satz mehr Kontext, eine Klarstellung, manchmal auch ein kompletter Neustart.

Erst im zweiten oder dritten Schritt entsteht etwas Brauchbares. Nicht, weil die KI plötzlich schlauer wird, sondern weil das Gespräch klarer wird. Genau dort liegt der Unterschied zwischen Zufall und reproduzierbaren Ergebnissen. Und genau darum geht es in diesem Blog.

Oft merkte ich erst im Gespräch mit der KI, wie unklar ich selbst eigentlich war. Ein Beispiel: Einmal wollte ich Copilot „etwas über Produktivität“ schreiben lassen. Mehr habe ich nicht eingegeben. Die Antwort war – sagen wir mal – gut gemeint, aber völlig beliebig. Und in dem Moment wurde mir klar: Ich wusste selbst nicht genau, was ich wollte. Ich hatte nur eine vage Idee im Kopf und hoffte, die KI würde sie erraten. Tut sie aber nicht.

Also habe ich es noch einmal versucht und geschrieben, dass der Text für Selbstständige gedacht ist. Das war schon besser, aber immer noch nicht das, was ich suchte. Soll es motivierend sein oder nüchtern? Soll es um Methoden gehen oder um Haltung? Soll es eher theoretisch sein oder direkt anwendbar? All das hatte ich vorher nicht gesagt.

Erst als ich genauer wurde – dass es um kleine Routinen gehen soll, dass der Ton freundlich sein darf, dass es für Menschen gedacht ist, die viel zu tun haben und wenig Zeit – erst da wurde die Antwort brauchbar. Und plötzlich passte alles.

Das Spannende daran: Die KI ist in diesem Moment gar nicht „schlauer“ geworden. Ich bin es. Ich habe verstanden, was ich eigentlich wollte. Und genau das passiert ständig. Der erste Versuch ist selten gut, aber er zeigt mir, wo ich selbst noch unscharf bin. Die KI hält mir da einen Spiegel hin – manchmal einen unbequemen. Aber genau das macht den Unterschied.

Schlechtes Promptbeispiel
Schreibe etwas über Produktivität.
Nachgeschärfter Prompt
Schreibe einen kurzen Text über Produktivität für Selbstständige mit wenig Zeit. Der Fokus liegt auf kleinen, alltagstauglichen Routinen. Der Ton soll freundlich und realistisch sein, ohne Floskeln oder Motivationstheater. Der Text soll zeigen, wie kleine Änderungen den Arbeitsalltag spürbar erleichtern.

Vager Start
Schreibe eine E-Mail an einen Kunden.
Nachgeschärfter Prompt
Ich möchte eine kurze E-Mail an einen bestehenden Kunden schreiben. Es geht um eine kleine Verzögerung in einem laufenden Projekt. Die E-Mail soll transparent, ruhig und sachlich sein, ohne Rechtfertigungen oder Ausreden. Wichtig ist mir, Verlässlichkeit zu vermitteln und keinen Druck aufzubauen. Bitte halte den Text knapp und freundlich.

Vager Start
Erkläre mir das Thema Netzwerke.
Nachgeschärfter Prompt
Ich möchte die Grundlagen von Netzwerken verstehen, weil ich besser nachvollziehen will, was in meinem Arbeitsalltag technisch passiert. Ich bin kein IT-Profi und möchte keine vollständige Theorie lernen. Erkläre mir die Zusammenhänge anhand einfacher Beispiele und beschränke dich auf das, was mir hilft, typische Begriffe und Situationen einzuordnen.

Der erste Prompt klingt eindeutig, ist aber leer. Der zweite beschreibt Motivation, Wissensstand und Ziel, und genau dadurch wird die Antwort brauchbar.