Der Wunsch nach dem perfekten Prompt ist verständlich. Er verspricht Kontrolle und Effizienz. Einmal richtig formuliert, soll er immer funktionieren. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass genau dieser Ansatz selten trägt.
Kontext bedeutet nicht, möglichst viel zu schreiben. Kontext bedeutet, die eigene Situation zu erklären. Worum geht es, wofür ist das Ergebnis gedacht, und was spielt keine Rolle. Diese Informationen sind für die KI oft entscheidender als jede sprachliche Feinheit.
Ich habe häufig erlebt, dass ein unsauber formulierter Prompt mit gutem Kontext bessere Ergebnisse liefert als ein sprachlich perfekter Satz ohne Einordnung. Nicht, weil die KI großzügig ist, sondern weil sie Zusammenhänge braucht, um sinnvoll zu reagieren.
Viele Probleme entstehen dadurch, dass Kontext als einmalige Aufgabe verstanden wird. Tatsächlich entsteht Kontext oft erst im Verlauf des Gesprächs. Man merkt an der Antwort, was fehlt, was missverstanden wurde oder welche Annahmen falsch waren. Genau dort wird Kontext ergänzt.
Deshalb funktionieren Dialoge besser als Einzelprompts. Sie erlauben Korrekturen, Präzisierungen und Richtungswechsel. Der perfekte Satz ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist, ob das Gespräch in die richtige Richtung führt. Die folgenden Beispiele zeigen genau diesen Unterschied. Nicht als Theorie, sondern so, wie er im Alltag tatsächlich entsteht.
Schreibe einen Text über Stress.
Schreibe einen kurzen Text über Stress im Arbeitsalltag. Der Text ist für Menschen gedacht, die zwischen Arbeit, Terminen und privaten Verpflichtungen kaum Pausen haben. Es geht nicht um medizinische Erklärungen oder Therapieansätze, sondern um alltägliche Situationen und kleine Beobachtungen, in denen Stress entsteht. Der Ton soll ruhig und verständnisvoll und nicht belehrend sein.
Erkläre mir die beste Vorgehensweise zur Datensicherung.
Ich möchte meine wichtigen Dateien sichern, weil ich Angst habe, sie zu verlieren. Es geht um einen privaten Windows-Computer, keinen Server. Ich bin kein Technikprofi und möchte verstehen, welche Möglichkeiten es gibt und worauf ich achten sollte. Erkläre es bitte in einfachen Worten.
Der erste Prompt ist sprachlich sauber, aber offen.
Die KI weiß nicht, für wen, wofür und in welcher Situation die Antwort gedacht ist. Der zweite Prompt ist nicht elegant formuliert, aber er beschreibt eine Situation, eine Absicht und eine Einschränkung. Genau das macht die Antwort brauchbar.
Schreibe eine E-Mail, in der ich um einen Termin bitte.
Ich möchte eine kurze E-Mail schreiben, um einen Termin zu erfragen. Die E-Mail geht an eine Person, die ich nur flüchtig kenne. Es geht um ein erstes Gespräch, nicht um etwas Dringendes. Der Ton soll höflich, aber entspannt sein, ohne förmlich zu wirken. Bitte halte die E-Mail kurz.
Fazit:
Gute KI‑Antworten entstehen nicht durch perfekte Sätze, sondern durch klaren Kontext. Wenn die KI weiß, was du willst und wofür, versteht sie dich viel besser.