Iteratives Arbeiten mit KI

Z-Prompt.de LogoViele erwarten von einer KI so etwas wie eine Zauberkugel: Man tippt eine Frage ein, und heraus kommt die ideale Antwort. In der Praxis klappt das manchmal. Oft aber eben nicht.

Besonders problematisch wird es, wenn die Antwort gut klingt und deshalb für richtig gehalten wird. Eine KI kann Halbwissen so sauber formulieren, dass es plötzlich wie Fachwissen wirkt. Das Halbwissen ist nicht neu. Mit KI lässt es sich nur schneller erzeugen und überzeugender präsentieren.

Die Ausgangslage gehört bereits zur Lösung

Eine häufige Kritik lautet: Wer sein Problem nicht vollständig beschreiben kann, hat es selbst noch nicht verstanden. Das stimmt teilweise. Es bedeutet aber nicht, dass eine KI dabei nicht helfen kann.

Ein Patient geht schließlich auch nicht mit einer fertigen Diagnose zum Arzt. Er beschreibt seine Beschwerden, so gut er kann. Der Arzt stellt Rückfragen und grenzt die möglichen Ursachen ein. Erst dadurch entsteht eine brauchbare Anamnese.

Bei der Arbeit mit KI ist es ähnlich. Die erste Beschreibung muss nicht perfekt sein. Sie muss aber genügend Anhaltspunkte liefern, damit die KI sinnvoll nachfragen kann. Das Erfassen und Eingrenzen eines Problems ist deshalb kein Schritt vor der eigentlichen Arbeit. Es ist bereits ein Teil davon.

Iteratives Arbeiten ist kein Lernen der KI

Ich spreche bewusst von iterativem Arbeiten und nicht von iterativem Lernen. Die KI lernt in diesem Gespräch normalerweise nichts dauerhaft hinzu. Ich verbessere stattdessen Schritt für Schritt meine Anfrage und damit die Arbeitsgrundlage.

Das bedeutet ganz praktisch:

  • Ich beschreibe das Problem zunächst so gut, wie ich es kann.
  • Ich lasse die KI fehlende Informationen benennen.
  • Ich beantworte ihre Rückfragen.
  • Ich korrigiere falsche Annahmen.
  • Ich lasse den vorgeschlagenen Lösungsweg kritisch prüfen.
  • Ich überprüfe wichtige Aussagen selbst oder durch einen Fachmann.

Das klingt banal. Es ist aber genau der Unterschied zwischen „einmal fragen und hoffen“ und „gezielt an einer Lösung arbeiten“.

Kann eine KI ein kritischer Gesprächspartner sein?

KI-Systeme antworten häufig freundlich, verständnisvoll und zustimmend. Das kann angenehm sein, ist aber nicht immer hilfreich. Wer seinen eigenen Lösungsweg bereits in die Frage einbaut, bekommt oft genau diesen Weg sauber ausgearbeitet.

Die KI prüft nicht automatisch jede denkbare Alternative, nur weil ihre Antwort überzeugend klingt. Sie kann aber durchaus als kritischer Gesprächspartner eingesetzt werden. Man muss ihr diese Aufgabe nur ausdrücklich geben.

Prüfe zuerst, ob mein beschriebener Lösungsweg überhaupt sinnvoll ist. Suche nach falschen Annahmen, nenne mögliche Nachteile und schlage mindestens einen grundsätzlich anderen Ansatz vor. Stelle Rückfragen, bevor Du eine Lösung ausarbeitest.

Je nach Aufgabe ergänze ich noch weitere Fragen:

  • Welche wichtigen Informationen fehlen Dir?
  • Welche meiner Annahmen könnten falsch sein?
  • Was spricht gegen meinen bisherigen Lösungsweg?
  • Welche Alternative würde ein erfahrener Fachmann prüfen?
  • Woran könnte ich erkennen, dass Deine Antwort falsch ist?

Damit wird die Antwort nicht automatisch richtig. Die KI wird dadurch aber gezwungen, sich nicht nur innerhalb meiner ursprünglichen Vorgabe zu bewegen.

Eine freundliche Antwort ist noch keine verlässliche Antwort

Problematisch wird es, wenn Nutzer davon ausgehen, die KI hätte intern bereits alle Möglichkeiten geprüft. Das hat sie in der Regel nicht. Sie erzeugt eine Antwort auf Grundlage der Informationen und der Richtung, die sie bekommen hat.

Hinzu kommt die Sprache. Eine KI kann verständnisvoll wirken, Sicherheit ausstrahlen und den Nutzer immer wieder bestätigen. Das kann beeinflussend sein, obwohl die KI selbst keine Absichten und keine Gefühle hat.

Wenn eine KI den Chat mit dem Satz „Ich freue mich, dass ich Dir helfen konnte“ beendet, macht sie das für mich weder glaubwürdiger noch unglaubwürdiger. Ich weiß, dass sie sich nicht freut. Das ist eine Höflichkeitsfloskel – ungefähr so persönlich wie „Ihr Anruf ist uns wichtig“ in einer Warteschleife.

Meine tägliche Praxis mit KI

Ich arbeite inzwischen täglich etwa 6–8 Stunden mit unterschiedlichen KI-Systemen. Dabei wurde das ständige Jonglieren mit Rollen, Aufgaben und umfangreichen Prompts irgendwann selbst zum Problem.

Deshalb habe ich einen eigenen KI-Client für Windows entwickelt. Damit kann ich per Mausklick zwischen verschiedenen Rollen und Aufgaben der KI wechseln, ohne jedes Mal wieder einen vollständigen Prompt eingeben zu müssen.

Ohne KI wäre dieses Projekt in der kurzen Zeit von etwa 12 Monaten allerdings auch nicht möglich gewesen. Für mich ist KI deshalb Segen und Fluch zugleich.

Fazit: KI ist ein Werkzeug, kein Gutachter

KI kann beim Ordnen der Gedanken helfen, fehlende Informationen benennen, Gegenargumente liefern und alternative Lösungswege vorschlagen. Sie kann aber weder eigenes Nachdenken noch fundiertes Fachwissen ersetzen.

Wer eine gut formulierte Antwort ungeprüft übernimmt, vergrößert im schlimmsten Fall nur sein Halbwissen. Wer dagegen iterativ arbeitet, Rückfragen zulässt und die KI ausdrücklich zum Widerspruch auffordert, bekommt ein deutlich brauchbareres Werkzeug.

Die Verantwortung für die Bewertung des Ergebnisses bleibt trotzdem beim Menschen. Genau das ist der Teil, den kein noch so guter Prompt abnehmen kann.